2502-Kompass2_komp4 - Flipbook - Page 15
FORSCHUNG
DHBW-KOMPASS SEITE 15
Wenn Roboter die Apfelernte übernehmen
Ein Blick in die Zukunft der Landwirtschaft
hardt die Bestimmung des Reifegrads der Äpfel mit Hilfe der KI. Sie
prognostiziert die Erntemengen und
bestimmt den idealen Erntezeitpunkt. Die Informationen werden
dem Obstbauer nutzerfreundlich
über eine App bereitgestellt. Diese
wurde im Team von Prof. Dr. Markus Lauterbach (RWU) entwickelt
und erprobt wurde. Der Roboter
dreht dabei dank Kameras und GPSSignalen autonom seine Runden.
Der Bodensee ist eine Obstregion.
Könnten dort Roboter künftig die
Ernte und viele weitere Arbeiten
übernehmen, die heute noch überwiegend Handarbeit sind? Forscher
der DHBW Ravensburg und der
Hochschule Ravensburg-Weingarten
haben gemeinsam mit den Firmen
InMach Intelligente Maschinen
GmbH und vision&robotics einen
Roboter-Prototypen entwickelt. In
den Apfelplantagen des Obsthof
Bernhard in Kressbronn kam der
Roboter zu einem ersten Test in der
Praxis.
Genutzt werden könnten diese
Grundlagen im Idealfall für sehr
viele Anwendungen. Zunächst natürlich für die Ernte. Aber auch für den
Schnitt im Winter, für die Optimierung beim Spritzen oder bei der Einschätzung von Schädlingsbefall.
2024 wurden am Bodensee laut dem
Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee (KOB) Bavendorf 246.700 Tonnen Äpfel geerntet. Das sind summa
summarum etwa 1,6 Milliarden
Pflückvorgänge – und das bedeutet
jede Menge Handarbeit. Digitalisierung und Automatisierung sind im
Sinne einer zukunftsfähigen Landwirtschaft bereits auf dem Vormarsch. Ziemlich sicher auch bald
in der Apfelernte.
Es geht um die Zukunft
der Landwirtschaft
Das Team Ernteroboter.
Ein Pflückroboter ist
die Vision
Ein Pflückroboter ist nämlich die Vision der beiden Hochschulen
DHBW und RWU. Am Technikcampus Friedrichshafen der DHBW Ravensburg tüftelten die Wissenschaft-
ler daher am Zentrum für Digitalisierung in Produktion und Produktentwicklung (ZDP) an einer entsprechenden Simulation. Es ging darum,
einen Digitalen Zwilling für die Anwendung in der Landwirtschaft zu
entwickeln. In der Simulation konn-
ten die Funktion der Sensoren in
verschiedenen Wetterbedingungen
getestet werden. Auch wurden verschiedene Sicherheitsszenarien virtuell erprobt, beispielsweise ob eine
Person erkannt wird oder nicht. Das
Arbeiten mit der Simulation spart
bei der Entwicklung des realen Roboters Zeit und Kosten. Verantwortlich dafür waren Prof. Dr. Thomas
Dietmüller und als Akademischer
Mitarbeiter Pranav Gangavarapu. An
der RWU entstand unter der Federführung von Prof. Dr. Jörg Eber-
Der Ernte-Roboter hat nun zum Abschluss des Projekts auf dem Apfelfeld erste Ergebnisse in der realen
Umgebung geliefert. Weitere Projekte für die Anwendungen wie die
Ernte folgen. Die beiden Hochschulen aus dieser Obstanbauregion werden am Ball bleiben. Und
auch der Obsthof Bernhard stellt
gerne seine Apfelbäume für die Versuche zur Verfügung. Es geht
schließlich um die Zukunft der
Landwirtschaft.
Eine dynamische Entwicklung Die Mobilität der Zukunft kommunizieren
Vernetzung mit Schottlands New Space-Sektor
Franziska Baar promoviert zum Thema Innovationskommunikation
Im Rahmen einer baden-württembergischen Delegationsreise nach
Schottland und auf die Shetlandinseln standen Raumfahrt, Kleinsatelliten, Datenanalyse und europäische
Launch Capabilities im Mittelpunkt.
Organisiert wurde die Fachreise von
Baden-Württemberg International
(BW_i), mit Teilnehmenden aus Industrie, Politik und Wissenschaft.
Für die DHBW Ravensburg war Prof.
Dr.-Ing. Thomas Mannchen, Studiengangsleiter Luft- und Raumfahrttechnik, dabei.
Zum Thema „Innovationskommunikation für die ÖPNV-Mobilitätskonzepte von morgen“ hat Franziska
Baar ihre Doktorarbeit nun erfolgreich abgeschlossen. Sie hat am Zentrum für empirische Kommunikationsforschung (ZEK) der DHBW Ravensburg
promoviert.
Ihr
Doktorvater war Prof. Dr. Frank
Brettschneider vom Lehrstuhl für
Kommunikationswissenschaft an der
Universität Hohenheim, seitens der
DHBW Ravensburg wurde sie von
Prof. Dr. Simon Ottler betreut.
Ziel war es, Kontakte zu schottischen
Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit Bezug zur Luft- und
Raumfahrt aufzubauen und zugleich
aktuelle Einblicke in das New SpaceÖkosystem Schottlands zu gewinnen
– von Kleinsatelliten über Raumfahrtdaten bis hin zur Entwicklung
europäischer Startinfrastruktur.
Das Fachprogramm führte die Delegation unter anderem nach Glasgow, Edinburgh und auf die Shetlandinseln. In Glasgow standen Besuche bei New Space-Unternehmen
wie Alba Orbital, Spire UK und AAC
Clyde Space sowie ein Austausch an
der University of Strathclyde auf
dem Programm. In Edinburgh folgte
ein Networking-Format am Edin-
burgh Futures Institute.
Besonderer Höhepunkt war der Besuch des SaxaVord Spaceport auf der
nördlichsten Insel der Shetlands. Der
Standort gilt als erster vollständig lizenzierter vertikaler Weltraumbahnhof des Vereinigten Königreichs.
„Die Reise hat deutlich gemacht, wie
dynamisch sich New Space entwickelt
– von Kleinsatelliten über Raumfahrtdaten bis zur Startinfrastruktur“,
sagt Prof. Dr.-Ing. Thomas Mannchen. „Für unseren Studiengang
Luft- und Raumfahrttechnik liefert
das wertvolle Impulse: fachlich für
aktuelle Inhalte rund um New Space,
Kleinsatelliten und Raumfahrtdaten
sowie strategisch für die weitere Internationalisierung.“
Für die DHBW Ravensburg entstanden wertvolle Kontakte. Besonders
anschlussfähig sind die Ergebnisse an
das DHBW-Projekt LIFT, das aus der
Luft- und Raumfahrt Initiative für
Fachkräfte und Talente des Landes
Baden-Württemberg gefördert wird.
Am DHBW-Campus Friedrichshafen
sollen Zukunftsthemen der Luft- und
Raumfahrt gestärkt, englischsprachige Angebote weiterentwickel internationale Hochschulkooperationen ausgebaut werden.
Wie steht es um unsere Mobilität der
Zukunft? Das Thema autonomes
Fahren rückt als technische Innovation immer mehr in den Fokus. Eine
neue Technologie, die auch dem Öffentlichen Personennahverkehr auf
die Sprünge helfen könnte. Der
macht zwar aus ökologischer Sicht
Sinn, ihm fehlt jedoch vor allem im
ländlichen Raum die notwendige
Flexibilität und Attraktivität. Autonome Fahrzeuge, die ohne den teuren Faktor Personal auskommen,
könnten ganz neue Konzepte möglich machen. Franziska Baar hat in
ihrer Arbeit untersucht, was bei der
Kommunikation solcher innovativen
Mobilitätsthemen zu beachten ist –
von der Analyse über Planung, Umsetzung sowie Evaluation.
Drei Befragungen deutschlandweit
Drei größere Befragungen deutschlandweit lieferten Franziska Baar dabei die notwendigen Daten und
Grundlagen. Eine vierte Befragung
in der Region Bodensee gab weitere
interessante Einblicke, denn über
ein Testfeld Autonomes Fahren in
Friedrichshafen
waren
die
Bürger*innen dort bereits speziell
sensibilisiert und informiert. Über
das Projekt RABus waren dort selbst-
Nach der erfolgreichen Verteidigung der Promotion (von links): Prof. Dr. Frank Brettschneider (Doktorvater und Erstbetreuer), Franziska Baar, Prof. Dr. Simon Ottler
(Zweibetreuer) und Prof. Dr. Jens Vogelgesang (Prüfungsvorsitz).
fahrende elektrische Kleinbusse im
Testbetrieb mit Fahrgästen unterwegs. Ein Ergebnis aus den Befragungen: „Auch wenn es noch einige
Bedenken gibt ist die Bereitschaft
auf jeden Fall da, sich auf autonome
Angebote einzulassen“, sagt Franziska Baar. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind in Bezug auf den
ÖPNV wichtige Kriterien, die Nachhaltigkeit spielt als Argument eine
geringere Rolle. Das brachte wichtige Erkenntnisse für die Kommunikation und die Ansprache der Bürger*innen über künftige Verkehrskonzepte.
Welche Kanäle spielen bei der Kommunikation eine wichtige Rolle?
Auch hierzu lieferte die Befragungen Erkenntnisse. Für eine Vorabinformation ist die Zeitung wichtig –
in einer späteren Phase im Bezug
etwa auf ein Fahrerlebnis die sozialen Medien.
Interviews mit Kommunikatoren
Neben den Befragungen waren auch
Interviews mit Kommunikatoren von
ÖPNV-Anbietern sowie die Analyse
von Medienberichten eine wichtige
Quelle für die Doktorarbeit.
DHBW fördert Promotionen
Forschung ist für die DHBW noch
ein relativ neues Feld. Franziska Baar
ist die zweite Doktorandin an der Fakultät Wirtschaft. Gestartet war sie
vor sechs Jahren als Teil des „Innovationsprogramm Forschung“ (IPF),
mit dem die DHBW den akademischen Mittelbau sowie die Themen
Forschung, Innovation und Transfer
fördert.
Franziska Baar hatte bereits an der
DHBW Ravensburg im Bachelor und
im Master studiert und in verschiedenen Bereichen gearbeitet.